
Dann bin ich um den Schlaf gebracht.
So titelt Heinrich, eigentlich Harry Heine in seinem Gedicht “Nachtgedanken”
Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen Tränen fließen.Die Jahre kommen und vergehn!
Seit ich die Mutter nicht gesehn,
Zwölf Jahre sind schon hingegangen;
Es wächst mein Sehnen und Verlangen.Mein Sehnen und Verlangen wächst.
Die alte Frau hat mich behext,
Ich denke immer an die alte,
Die alte Frau, die Gott erhalte!Die alte Frau hat mich so lieb,
Und in den Briefen, die sie schrieb,
Seh ich, wie ihre Hand gezittert,
Wie tief das Mutterherz erschüttert.Die Mutter liegt mir stets im Sinn.
Zwölf Jahre flossen hin,
Zwölf lange Jahre sind verflossen,
Seit ich sie nicht ans Herz geschlossen.Deutschland hat ewigen Bestand,
Es ist ein kerngesundes Land,
Mit seinen Eichen, seinen Linden
Werd ich es immer wiederfinden.Nach Deutschland lechzt ich nicht so sehr,
Wenn nicht die Mutter dorten wär;
Das Vaterland wird nie verderben,
Jedoch die alte Frau kann sterben.Seit ich das Land verlassen hab,
So viele sanken dort ins Grab,
Die ich geliebt - wenn ich sie zähle,
So will verbluten meine Seele.Und zählen muß ich - Mit der Zahl
Schwillt immer höher meine Qual,
Mir ist, als wälzten sich die Leichen
Auf meine Brust - Gottlob! Sie weichen!Gottlob! Durch meine Fenster bricht
Französisch heitres Tageslicht;
Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen,
Und lächelt fort die deutschen Sorgen.
Zu Zeiten Heinrich Heines gab es noch kein Deutschland ansich, jedoch zauderhafte Versuche, einen Nationalstaat herzuführen. Heine war wohl recht enttäuscht, als er folgende Verse über die 1848er Revolutionäre schrieb:
- Doch als die schwarz-rot-goldene Fahn,
Der altgermanische Plunder,
Aufs neue erschien, da schwand mein Wahn
Und die süßen Märchenwunder.
- Ich kannte die Farben in diesem Panier
Und ihre Vorbedeutung:
Von deutscher Freiheit brachten sie mir
Die schlimmste Hiobszeitung.
- Schon sah ich den Arndt, den Vater Jahn
Die Helden aus anderen Zeiten
Aus ihren Gräbern wieder nahn
Und für den Kaiser streiten.
- Die Burschenschaftler allesamt
Aus meinen Jünglingsjahren,
Die für den Kaiser sich entflammt,
Wenn sie betrunken waren (…)
- Gestern war Heinrich Heines 150ster Todestag. Schade, daß das kaum erwähnt wurde, aber auch verständlich. Freigeister braucht das Land nicht mehr.
Liebe Mitdenker,
donnerstags beliefert uns immer ein Bauer aus der Umgebung mit Milch, Käse ect. Er bekommt auf seinem Hof viel Besuch: Studenten und Professoren der Tiermedizin, Fernsehen, Stadtmenschen…Er ist besorgt um Deutschland: “Es darf nicht sein, dass Menschen fleißig arbeiten, aber von ihrem Geld nicht leben können. Es darf nicht sein, dass freundliche, arbeitswillige Flüchtlinge, bei uns kein Asyl finden. Es darf nicht sein, dass Kinder und Jugendliche nicht gebraucht werden. Es darf nicht sein, dass schlechte Politik durch Diätenerhöhung belohnt wird. Es darf nicht sein, dass Nazis wieder marschieren.”
Er trifft bei mir auf offene Ohren. Durch ihn kam mir das Heinrich - Heine - Gedicht in den Sinn. Ich habe viele schlaflose Nächte, in denen ich Briefe an Politiker verfasse. Ich bin seit 1993 ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit tätig und mache Ladendienst bei Elpuente. Da Parteien immer nur das Trennende suchen, könnte ich niemals einer Partei angehören.
Ich träume, die Unterschiedlichkeit der Menschen wäre wie ein farbenprächtiger Mischwald im Herbst. Als Baum beliebt um seiner Einzigartigkeit willen, als Wald ob im Frühling, Sommer, Herbst und Winter Respekt einflößend bewundert.
Immer wieder beweisen Menschengruppen, dass das möglich ist. Warum nicht auch bei uns? Wer aber lässt sich in der Politik mit Träumern ein?
Herzliche Herbstgrüße Uta Liebau