Die Welt zu Gast - bei den Weltmeistern der Verdrängung

Am 22.05.2006 versicherte Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech, dass es im Südwesten der Republik keinen Grund gäbe, von sogenannten “No-Go-Areas” im “Ländle” zu sprechen. Genau drei Tage später wird in Reutlingens Innenstadt, am ZOB (Zentraler Omnibus-Bahnhof) ein 61-jähriger Äthiopier krankenhausreif geschlagen. Zeugen beschreiben die drei Täter als 20-30 Jahre alt, kurzhaarig und mit Bomberjacken bekleidet.

Der regionalen Zeitung “GEA” war dieser Vorfall gerade einmal 10-15 Zeilen irgendwo im mittleren Teil des Blattes wert, auch wird nichts über die Befindlichkeit des Mannes aus Äthiopien noch über die wahrscheinlich rassistische Motivation der Täter berichtet. Auch ein “Aufstand der Anständigen” bleibt aus.

Wie mir scheint, wollte so kurz vor der WM keiner die möglichen zahlungskräftigen Gäste aus aller Welt abschrecken. Oder dachte man etwa, was nicht sein darf, kann nicht sein? Rechtsradikale Schläger gibt es ja eh nur im Osten, oder wie?
Andererseits, in einer Gesellschaft, in der eine Staatsanwaltschaft gegen Verkäufer und Träger antifaschistischer Symbole vorgeht, kann man wohl kaum mehr erwarten.

Heute habe ich jedenfalls Google News bemüht, weil ich doch interessiert war, was denn nun weiter geschehen war, denn in meiner lokalen Tageszeitung gab es keine weiteren Meldungen. Die Täter wurden wohl gefasst, einer der drei soll dem Mann aus Äthiopien im Vorübergehen einen Stoß mit dem Ellbogen ins Gesicht verpasst haben. Weiter weiß man nichts, man war ja schließlich besoffen alkoholisiert. Leider berichtet auch das Schwäbische Tagblatt, daß als einziges Medium der Region nachgehakt hat, nichts über den derzeitigen Zustand des Opfers.

Ich bin beschämt und verärgert, daß es solche Übergriffe ganz in meiner Nähe geben kann. In einer Region, wo man dumpfe, rechte Parolen und Aktionen nicht einmal durch die Perspektivlosigkeit der Jugend entschuldigen kann, wo die Arbeitslosigkeit noch weit unter dem Durchschnitt liegt. Was treibt Menschen zu einem solchem Hass, zu solcher Gewalt? Und warum gibt es dagegen keinen Aufschrei in der Bevölkerung der Region?

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7 Kommentare zu “Die Welt zu Gast - bei den Weltmeistern der Verdrängung”


  1. 1 Germ

    HI Ecki,

    vielleicht ist man auch etwas vorsichter, seit so groß über den (ich glaub es war ein) Italiener berichtet wurde, der angeblich von Nazis zusammengeschlagen wurde. Und wo sich später rausstellte er ist betrunken auf die Bahnhofsgleise gefallen -.-

    Rechstradikalismus ist abzulehnen ganz klar - aber Gewalt in gegen andere Personen ist auch immer abzulehnen egal ob ein typ in bomberjacke einen Ausländer zusammenschlägt oder umgekehrt.

    grüße

    Germ

    PS: Deutschlad - Equador: 2:1

  2. 2 apollon

    Ich habe ebenfalls den Eindruck, dass die ziemlich offensichtlich ausländerfeindlich motivierten Angriffe im Moment aufgrund der laufenen WM nicht so in der Presse herausgestellt werden, wie es vorher der Fall gewesen ist. Zu den Motiven hast du ja schon etwas gesagt. Germ spricht aber natürlich zu Recht auch die Möglichkeit an, dass es sich in manchen Fällen um “normale” Schlägerein handeln könnte. Es muss natürlich nicht immer einen ausländerfeindlichen Hintergrund geben.

    Persönlich habe ich das Gefühl, dass die Übergriffe von Rechts, so wie es ja auch die Verfassungsschutzorgane berichten, einfach zugenommen haben. Warum sollte das nun während der WM anders sein?

  3. 3 apollon

    Ach, mein Tipp für heute:

    Deutschland - Equador 3:0

  4. 4 Ecki

    Danke für die Kommentare! Mir ist viel zu warm, um meine Gedanken in die richtigen Worte zu fassen, deshalb nur mein Tipp:

    Deutschland - Equador 2:2

  5. 5 Germ

    Gratulation! Apollon hat gewonnen ;)

  1. 1 !FINGER.ZEIG.net » Mein Tipp 3:0 f
    Pingback am 20. Jun 2006 um 18:27
  2. 2 Rassismus im Südwesten at Der Eckpfeiler
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