Diesen Spruch hört man immer wieder von Menschen, denen Dinge wie Datenschutz und Privatsphäre unwichtig sind. Der Internetprovider AOL hat dieser Tage eine Liste aller Suchanfragen seiner User, die über Monate gespeichert wurden, im Netz zum Download freigegeben. Die Benutzerdaten wurden zwar anonymisiert, jedoch lässt sich über die Suchanfragen einiges an Ruckschlüßen ziehen. Schließlich sucht man ja gelegentlich danach, was im eigenen Ort so los ist, eventuell sucht man nach einem neuen Partner in der Region oder nach Tipps, wie man am Besten mit einem gebrochenen Bein umgeht. Und schon kann mit der Auswertung begonnen werden.
Aha, User 275568 geht gerne Samstag abends erst ins Kino und danach meistens in die Disko, besucht alternativ aber auch gerne Soulkonzerte. Vor zwei Monaten hat er sich das Bein gebrochen, was ihn in eine Sinnkrise gestürzt hat, da ihn kurz zuvor auch noch der Partner verlassen hat…
Damit kann man die Personenzahl schon gewaltig einschränken und relativ leicht auf die wahre Identität der Person kommen.
Nicht schlimm? Was ist nun, wenn man z.B. von einem Fernsehbericht über mißbrauchte Kinder schockiert war und nun im Netz nach näheren Infos sucht? Suchbegriffe wie “geschändete Kinder”, “missbrauchte Kinder”, “Satanisten”, “pädophil” usw. dürften recht häufig auftauchen. Oder man hat Edes XY gesehen und will nun nähere Infos zu den neuesten Maschen der Kreditkartenbetrüger erhalten. Man gibt Stichwörter wie “Kreditkarte fälschen”, “Fälschermethoden”, “Sicherheit von Bankautomaten” in die Suchmaske ein, ohne daran zu denken, wie diese Kombination von Suchanfragen auf heimliche Beobachter wirken könnten. Und schon steht man im Rampenlicht.
Bösartige Zeitgenossen können so an Erkenntnisse kommen, die man evtl. nicht einmal den engsten Angehörigen anvertrauen würde. Oder es könnte ein völlig verfremdetes Bild der eigenen Person entstehen, das Tatsachen mit durch die gespeicherten Suchanfragen entstehenden anscheinlichen Fakten durcheinander würfelt.
Privatsphäre ist nicht nur ein Grundrecht, sie sollte selbstverständlich sein. Normalerweise sollte ich mich nicht verteidigen müssen, weil ich auf Privatsphäre beharre. Denn ja, ich habe etwas zu verbergen. Du nicht?
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