Armes Würstchen

Samstags landen bei mir immer die Stapel an Werbeprospekte im Briefkasten. Eigentlich habe ich nichts dagegen, denn damit kann man recht gut Preise vergleichen. Letzten Samstag hat mich allerdings dieses Angebot fast schon erschreckt:

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Wie kann es sein, das Bratwürste so billig angeboten werden? 1,59 € sind doch echt schon extrem billig! Sind die EU-Subventionen so hoch, daß die Bauern sich auf so einen Preiskrieg einlassen können? Ist das Fleisch minderwertig? Werden da Löhne gedrückt?

Andererseits:

Was macht mein regionaler Metzger falsch, bei dem ich mehr als das Doppelte für diese Ware bezahle? Bezahlt er seinen Angestellten zu viel Lohn? Sollte er davon absehen, Fleisch von regionalen Anbietern zu beziehen, die mehr verlangen?

Nein! Ein Biss in die Bratwurst des Metzgers meines Vertrauens verdeutlicht mir immer wieder, worum es geht. Nicht darum, möglichst oft Fleisch zu essen, sondern darum, Fleisch bewusst zu geniessen. Die Qualität der Lebensmittel wird in unserer schnellebigen Zeit leider viel zu oft vernachlässigt. Daß das die Arbeitsplätze in jeder Region gefährdet und zudem nicht sonderlich zuträglich zu unserer Gesundheit ist, ist der Rattenschwanz dieses Systems, das immer billiger werden muss, um zu wachsen.

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2 Kommentare zu “Armes Würstchen”


  1. 1 Ralf

    Naja, so einfach ist das leider alles nicht mehr heutzutage.

    Schau dir als erstes mal den Preis und die Menge an. Die verkaufen 400 (!) Gramm-Portionen. Der Metzger um die Ecke zeichnet seine Preise in der Regel in 250, 500 und 1.000 (1kg) Gramm-Portionen aus. Dadurch erscheint er bereits teurer als der Supermarkt auf der Wiese.
    Um halbwegs objektiv bleiben zu können, muss man immer die Kilo-Preise vergleichen. Dann stellt man fest das der Metzger nicht immer teurer ist als der Supermarkt. Der Supermarkt ist nur trickreicher.

    So kann es natürlich sein das sie dir die Wurst günstig anbieten. Dafür aber bei Brot, Kartoffeln, Bier, Chips und/oder Ketchup dich abzocken. Mein Ex-Chef sagte immer: Den Kunden muss man vorne ein Bonbon in den Mund stecken um ihn hintenrum die Schokolade aus der Tasche zu ziehen.
    Lockangebote sind nichts ungewöhnliches. In Zeiten in denen die Kassen dir just-in-time sagen können was die Kunden gekauft haben, weiß der Marktleiter natürlich ganz genau was die Kunden noch gekauft haben, die an den Vortagen Bratwurst kauften.

    Dann gibt es natürlich noch die Möglichkeit des Abverkaufes. Die Lager müssen leer werden, die Ware muss weg. Denn wegwerfen kostet Entsorgungskosten. Also kloppt man die Ware für einen Schleuderpreis raus. Kennt man vom Winter- und Sommerschlußverkauf bei Textilien.

    In unserer globalisierten Welt sind die Herstellungskosten nur noch ein marginaler Faktor beim Endpreis. Viel höher liegen die Kosten für Transport, Lagerung und Gewinn. Und mein Metzger um der Ecke ist auch nicht doof. Der kauft ebenfalls am nächst gelegenen Schlachthof EG-Fleisch günstig ein um es möglichst teuer zu verkaufen.

    Ich habe in den letzten Jahren auch meinen Fleischkonsum reduziert. Aber weniger wegen den Kosten, mehr weil es besser schmeckt wenn man es nicht täglich auf den Tisch hat.

  2. 2 Ecki

    Ich vergleiche durchaus die Kilopreise, anders ist ein Vergleich ja gar nicht möglich. Die Bratwürste, die ich gestern gekauft habe, lagen bei 8 €/kg, was schon ein extremer Unterschied zu den 2,23 € des Discounters ist.

    Die Tricks sind mir in gewissem Maße auch vertraut, “man” hört von solchen Aktionen ja oft im Zusammenhang von “saubilligen” Elektro-Discountern. Was dabei aber letzlich herauskommt, konnte man in Metzingen, der Kleinstadt in der ich lebe, ganz gut beobachten. Der Edel-Discounter (edel im Sinne von teuer) der Schwarz-Gruppe, der hier vor ca. 4 Jahren eröffnet hat, hatte zu Beginn immer eine relativ hohe Qualität zu guten Preisen. Zu gut für die anderen beiden Supermärkte der Stadt, einer nach dem anderen musste schließen. Seit dem sank die Qualität ständig während die Preise unmerklich stiegen.

    Wenn ich mir jetzt z.B. ein Säckchen Zwiebeln kaufe, kann ich davon ausgehen, dass schätzungsweise die Hälfte davon schimmlig oder faul ist. Oder der Braten, den ich Sonntags ab und zu gerne zubereite: Das Vieh ist so schnell zur Schlachtreife gemässtet worden, dass das Fleisch nicht sonderlich schmeckt und zu ca. 1/3 einfach verdampft. So ist natürlich nichts gespart, leider erkennen das die wenigsten Leute.

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