
Seit Sonntag hängt es wieder am tristen Grau vor meiner Tür und weist mich darauf hin, das Samstag wieder ein Stück schwäbische Eigenart auf mich zukommt. Das Schild des Grauens, das alle acht Wochen wiederkehrt.
Liebevoll von einer Tochter oder einem Sohn im Werkunterricht gebastelt, bedeutet es für mich eine verlorene Stunde an einem an sich schönen, sonnigen Samstag. Denn schließlich ist die Kehrwoche am Samstag Vor- oder Nachmittag zu machen. Freitag geht nicht, die Gehsteige vor dem Haus könnten ja übernacht wieder dreckig werden.
Und Sonntag geht im pietistisch geprägten Württemberg gar nichts. Würde ich das tun, ich glaube man würde mich steinigen, verbrennen oder zumindest im Laden schief anschauen. Es könnte sogar ein Brief der Hausverwaltung eintreffen, das man zugetragen bekommen habe, dass man seine im Mietvertrag festgelegten Pflichten nicht nachgekommen wäre!
Dabei ist diese Arbeit sowas von sinnlos, schließlich würden die paar herumliegenden Blätter und Steinchen vom nächsten Regen von selbst weg gespült werden. In der Odyssee steht dazu:
„Und den Sisyphus sah ich, von schrecklicher Mühe gefoltert,
Einen schweren Marmor, mit grosser Gewalt fortheben.
Angestemmt arbeitet’ er stark mit Händen und Füssen,
Ihn von der Au aufwälzend zum Berge. Doch glaubt’ er ihn jetzo
Auf den Gipfel zu drehen, da mit einmal stürzte die Last um;
Hurtig mit Donnergepolter entrollte der tückische Marmor.“
Aber den alten Schwaben interessiert nicht, was die alten Griechen schrieben. Darum gibt es sogar welche, die ihren Gehsteig mit Wasser und Schrubber reinigen, Woche für Woche, jeden Samstag. Schwäbischer Fleiß eben, schaffe, schaffe, Häusle baue, Hund verkaufe, selber belle.
Da habe ich ja noch Glück, nur alle acht Wochen ein Stündchen in der Sonne an der frischen Luft podcasthörender Weise den Besen schwingen zu müssen.
Ohhhh, ja! Bei dieser Unsitte mit der Kehrwoche kann man die wildesten Sachen erleben. Wehe, man kommt in den Verdacht bei dieser Pflicht zu schlampern. Staubfallen, anonyme Zettel, üble Nachrede und und und…
Seit einem Jahr lebe ich in einem Haus mit Putzservice. Was eine Wohltat!
Erinnert mich daran das ich auch mal wieder die Treppe putzen könnte (!)
Jedesmal wenn ich mich dazu aufraffe, dann höre ich schon meinen Nachbarn im Treppenhaus rumwerkeln. Ich glaube, der baut damit die Aggressionen ab die er aufbaut weil ich die Treppe nicht putze. Das ist eigentlich so eine Art symbiotische Gemeinschaft.
Solche Pflichten haben wir zum Glück nur im Kinderladen. Aber dort kann man sich auch “freikaufen”.
Und hier zuhause werde ich (glaube ich) langsam zum unbeliebten Nachbaren. Zumindest bei den Hundehaltern, weil ich die und ihre Köter immer aus dem Sandkasten vertreibe.