Zur Zeit frage ich mich ob die Generation meiner Eltern, die in der Nachkriegszeit geboren wurde, in ihrer manchmal fast schon zwanghaften Sparsamkeit was Lebensmittel betrifft, nicht doch irgendwie recht hat. Meine Mutter nutzt zum Beispiel Sahne auch noch zwei Monate nach dem Ablaufdatum. Ein kurzer, aber beherzter Geschmackstest mit dem kleinen Finger lässt sie in Sekunden zu dem Schluss kommen, ob das Produkt noch gut ist oder weg geschüttet werden sollte. Ähnlich verfährt sie mit Milch und bei Hartkäse wird ein leicht schimmliges Stück einfach großzügig abgeschnitten.
Ich bin da viel zimperlicher. Bei abgelaufener Milch oder Käse probiere ich auch, bevor ich sie entsorge, aber allerhöchstens 4-5 Tage nach dem Verfallsdatum. Mich packt innerlich ein seltsamer Ekel wenn ich nur daran denke, Streichkäse zu essen, der eine Woche überlagert ist. Abgepackter Wurst traue ich noch weniger. Wenn möglich, vermeide ich den Mist aus dem Kühlregal der Wurstwarenabteilung komplett. Und wenn ich doch mal etwas davon zuhause habe, wird die schon am Verfallsdatum weggeworfen. Ich weiß, das klingt etwas pingelig, aber so hat sich der Umgang mit Lebensmitteln nun mal bei mir verinnerlicht.
Wenn ich aber lese, dass in Italien bis zu 28 Jahre alter Käse aufbereitet und als neu verkauft wird, kommen mir aber Zweifel, ob das mit dem Verfallsdatum wirklich so eine dramatische Sache darstellt. Der alte Käse muss doch geschmeckt haben und ungesund kann er ja auch nicht gewesen sein, sonst hätte man doch schon viel früher davon erfahren. 11.000 Tonnen Gammelkäse oder 11 Millionen Kilo, das wären 55 Millionen 200g-Päckchen Mozarella! Und niemand hat sich beschwert.
Klar, die Vorstellung, gammligen Käse oder Fleisch zu essen, ist nicht sonderlich appetitlich. Trotzdem komme ich ins Grübeln, ob ich nicht doch etwas von der Lebensweisheit meiner Mutter lernen und nicht so zimperlich mit abgelaufenen Lebensmitteln umgehen sollte. Ich muss es ja nicht übertreiben.
Bild: Casu Marzu, eine sardische Spezialität, bei der Pecorino sardo erst durch Verfall und Madenfraß seinen besonderen Geschmack bekommt.
Bildquelle: Shardan unter einer Creative Commons Lizenz





MHD ssteht ja für MINDEST-Haltbarkeits-Datum, nicht für Maximalhaltbarkeitsdatum. Ich gehe auch davon aus, dass die Hersteller die Packungen etwas größer machen, dafür das MHD etwas früher ansetzen.
Kaufe ich als Single z.B. eine Packung Wurst mit 10 Scheiben die angeblich am Ende der Woche verfällt, müsste ich entweder täglich 2 Scheiben essen oder am Ende der Woche die Hälfte der Wurst wegwerfen. Da kaum jemand jeden Tag zweimal die gleiche Wurst essen möchte, wandern so bestimmt etliche Tonnen an Lebensmitteln in die Tonne die man noch hätte essen können.
Ich werfe grundsätzlich nur das weg, was schlecht riecht, übel aussieht oder wo das MHD 12 Monate abgelaufen ist und ich mir sicher bin das sich das Zeug nicht so lange hält.
Yoghurt z.B. hält sich locker 2-3 Wochen, wenn nicht sogar länger. hat aber i.d.R. ein MHD von 7 Tagen (oder so). Yoghurt ist schlechte Milch, der kann kaum noch schlechter werden so lange er in seiner hermetisch abgeschlossenen Verpackung ist. Und Käse ist ja eigentlich auch nur schlechte Milch. Der wird aber angeblich mit den Jahren, wie ein guter Wein, immer besser.
Die Nahrungsmittel halten IMMER deutlich länger als auf dem MINDESThaltbarkeitsdatum angegeben. Gerad bei Vakuumverpackten Sachen kann das bis zu 1 Jahr oder sogar noch länger sein. Das MHD sagt nur so viel, das der Hersteller bis zu diesem Datum einwandfreie Ware garantiert soweit Ich weis.
Ich hätte vielleicht dazu schreiben sollen, dass ich von bereits geöffneten Verpackungen ausgehe. Klar, wenn etwas original verpackt ist, hält es schon länger. Da prüfe ich schon auch erst, bevor ich es wegwerfe.
Aber bei Dingen wie bereits angebrochene Frischmilch oder nicht geräucherte Wurst… nee nee, das geht gar nicht. da ist bei mir spätestens nach 5 Tagen jeder Wagemut, doch noch mal zu probieren dahin.