Lesen

Anna hat mir heute ein Stöckchen herüber gereicht, das ich gern beantworte, da es um Bücher und um mein Leseverhalten geht. Schon als Kind hab ich Comics und Romane verschlungen und mich teilweise sogar in Schränken versteckt, um nicht von meiner Mutter wenigstens für ein kurze Zeit an die frische Luft geschickt zu werden.
Heute hat der Drang zu lesen zwar nicht abgenommen, aber ich lese viel mehr am PC und greife (leider) viel seltener zum Buch. Das mag auch daran liegen, dass ich es nicht schaffe, aus der Bibliothek geliehene Bücher rechtzeitig zurück zu bringen und irgendwann keine Lust auf Strafgebühren mehr hatte.

Weiterreichen würde ich das Stöckchen gerne an Christian (der im Umzugsstreß steckt) und Maobe. Aber auch sonst kann es jeder gerne aufgreifen

Aber jetzt zu den Fragen.

In welchem Zusammenhang spielen Bücher eine Rolle in deinem Leben?

Ich bin in meinem Leben noch nicht all zu weit in der Welt herum gekommen und so sind Bücher für mich eine gute und unterhaltsame Möglichkeit, fremde Länder und Kulturen kennen zu lernen. Ich glaube auch das Lesen dabei hilft, sich in andere Menschen hinein zu versetzen zu können. Außerdem kann ich bei nichts so gut entspannen wie beim Lesen (wenn ich nicht gerade einen Thriller oder Horrorroman lese, natürlich).

Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

Ich lese, wie auch Anna, oftmals mehrere Bücher gleichzeitig. Ich bin beinahe gleichzeitig mit “Drachenläufer” von Khaled Hosseini und “Das dunkle Schweigen” von Wolfgang Schorlau fertig geworden.

Welches Buch liest du momentan?

Auf anraten von Christian (Caracasa) “Die Foundation Trilogie” von Isaac Asimov und ich bin schwer begeistert, obwohl im Buchuniversum alles mit Atomkraft betrieben wird. ;-)
Asimov war eben ein Kind seiner Zeit und atomgetriebene Raumschiffe waren damals (1951-1953) einfach state of the art.

Hast du ein Lieblingsbuch? (Wenn ja: Was ist daran so toll? Mehrmals gelesen?)

Eines? Nö. Viele.

Als Kind hab ich immer wieder Otfried Preußlers Hotzenplotz-Bücher verschlungen. Diese Bücher sind so lebendig und lustig geschrieben, eigentlich sollte sie jedes Kind gelesen haben. Noch heute muss ich wenn ich etwas über Konstantinopel höre, an Sauerkraut mit Bratwürsten und Zwetschgenkuchen zum Nachtisch denken.
Im Alter von 11-12 habe ich dann alles von Karl May mehrmals verschlungen, was mir in die Hände gefallen ist: Natürlich die Winnetou-Bücher, Old Surehand, In den Schluchten des Balkan, Im Lande des Mahdi I-III und Durchs wilde Kurdistan. Das waren glaub alle, die ich hatte, wenn ich mich nicht irre, hihihi.
Weiterhin hatte es mir “Krabat” angetan, wiederum von Otfried Preußler. Die Geschichte des wendischen Waisenjungens Krabat ist wunderschön geschildert: Sein umherstreifen, die Aufnahme in der Mühle, sein erster Kontakt zur schwarzen Magie, das Leben mit den anderen Gesellen und überhaupt das Leben in dieser Zeit. Ich glaube, das packe ich mal wieder aus.
Mein Lieblingsbuch der letzten Jahre ist ain buch fon Zé do Rock, “fom winde ferfelt”. Der Autor selbst beschreibt es so (natürlich in ultradoitsh):

das buch zieht die deutsche sprache durch den kakao und schlägt ein vereinfachtes deutsch vor, das ultradoitsh genannt wird. damit es für den laien nich zu langweilig wird, krigt er eine autobiografi im doppelpack: der autor is 13 jare lang um di welt geträmpt, hat 104 länder besucht und vile probleme mit räubern, polizei und fraun gehabt.

Das Buch ist sehr witzig geschrieben, der Autor hat wirklich einiges zu erzählen und die Schrittweise Einführung des ultradoitsh ist einfach nur genial. Eine Leseprobe und eine Einführung in ultradoitsh gibt es hier.

Über welches Thema / welches Genre liest du am liebsten und warum?

So ganz festlegen kann und will ich mich hier nicht, aber ich lese sehr gerne intelligente Fantasy oder Science Fiction. Ich glaube, ich schätze diese Genres so hoch, weil sie dem Autoren erlauben, ohne die Grenzen unserer Realität zu beachten Geschichten so zu gestalten, wie es ihm beliebt. Wenn dabei Naturgesetze umgebogen und abstruse Theorien aufgestellt werden, um so besser.

Welche Erwartungen hast du an ein Buch?

Ich möchte gut unterhalten werden und dem Alltag für eine Weile entfliehen. Oder, im Falle eines Sachbuchs, möchte ich so umfassend informiert werden wie möglich.

Gab es Zeiten, in denen du weniger gelesen haben hast!? Warum?

Weniger gelesen habe ich eigentlich nie. Nur haben sich meine Lesegewohnheiten etwas zu Gunsten des Internets verändert, was sich zur Zeit aber auch wieder ändert.

Kannst du dich daran erinnern, ob du bestimmte Lebensphasen mit einem bestimmten Buch verbindest?

Ja, kann ich. Gerade meine Kindheit verbinde ich sehr eng mit dem Räuber Hotzenplotz. Den habe ich schwer bewundert und wollte auch so werden. Also in einer Höhle leben, mit Schinken und Salami, die von der Decke hängen. Und die Pfefferpistole muss auch sein.
Als ich dann Dumas‘ “Die drei Musketiere” gelesen hatte, war es aus mit dem Räuberwunsch. ;)

Werden deine Lektüre und Lesegewohnheiten durch bestimmte Jahreszeiten beeinflusst?

Meine Lektüre nicht, aber meine Gewohnheiten. Da ich wie jeder andere Mitteleuropäer im Winter mehr Zeit zu Hause verbringe, lese ich in der kalten Jahreszeit auch mehr.

Wie viele Bücher besitzt du ungefähr?

Wenn ich auch die ausrangierten, im Keller verstauten Bücher mitzähle, besitze ich ca. 250 bis 300 Bücher. Ein paar Ebooks kommen auch noch dazu, vielleicht nochmal 50.

Wie viele Bücher liest du ungefähr im Monat?

Kommt ganz auf die Bücher an. Manche lese ich in einem Rutsch, für manche brauche ich länger. Ich würde sagen, zwischen zwei und drei Bücher sind es schon. Manchmal auch mehr oder weniger.

Wie sieht die Lesesituation aus? Wo und wie liest du am liebsten?

Ich lese am liebsten auf und im Bett, auf einer gemütlichen Couch oder einer Parkbank. Wie? Leise und schnell.
Manchmal ertappe ich mich beim Überfliegen von Absätzen weil ich neben dem Lesen so sehr ins Geschehen eintauche, dass meine Fantasie mit mir durchgeht und ich die Handlung selbst weiterspinne.

Gibt es etwas, das du nie lesen würdest? Warum?

Schmonzetten. Also kitschig-naive Liebesromane. Wenn man mich vor die Wahl stellen würde, auf eine einsame Insel die Bibliografie Rosamunde Pilchers oder einen ständig “Malefiz und zugenäht!” plärrenden Papageien mitzunehmen, ich würde die krächzende Bestie nehmen.
Warum? Da ich durch die Einsamkeit eh in den Wahnsinn getrieben werden würde, würde ich mir ein stilvolles Ende wünschen…

Liest du Bücher von einem bestimmten Autor? Wenn ja, warum?

Ich liebe Robert Rankin und lese so ziemlich alles von ihm, weil er das alltägliche Leben so nett mit einer Prise Wahnsinn, Philosophie, Verschwörungstheorie und Okkultem anreichert. Wer Bücher “Kohl des Zorns” oder “Nostradamus ate my Hamster” betitelt, verdient es einfach, gelesen zu werden.
Rankin ist Adams und Pratchett im Jetzt und Hier. Mein ultimativer Lesetipp: Die Brentford-Trilogie.

Wie wählst du üblicherweise deine Bücher aus?

Ich bekomme sie mit den Worten “Hey, das ist was für dich.” von Freunden und Bekannten überreicht. Ansonsten stolpere ich zufällig über Namen oder Titel, die mir irgendwie irgendwoher etwas sagen. Manchmal guck ich auch “Lesen!” mit Elke Heidenreich.

Wie sieht es mit Hörbüchern aus: Lässt du dir gerne vorlesen?

Wenn mir live vorgelesen wird, mag ich das. Mit Hörbüchern habe ich nicht viel Erfahrung, aber Frank SchätzingsDer Schwarm” war als Hörbuch gut.

Welchen Stellenwert hat das Lesen für dein Leben?

Einen sehr hohen. Durch Bücher habe ich Unterhaltung und Entspannung, durch Fachbücher, Zeitungen und das Internet erlange ich das Wissen, das ich im Leben brauche. Filme sind eigentlich nur optische Täuschungen, Lesen ist viel realer da ich Gelesenes verifizieren, wiederholen und selbst weiter verbreiten kann.


6 Kommentare zu “Lesen”

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