Stell dir vor, du erlebst den Moment deiner Geburt bewusst mit und weißt dazu auch noch sofort, wer du bist und was dein Lebenssinn ist. So geht es Andrew Gage, einem der Protagonisten von Matt Ruffs “Ich und die anderen”.
Andrew ist allerdings auch keine normale Persönlichkeit. Er ist von den anderen Persönlichkeiten, die in seinem Körper und seinem Geist vorhanden sind, zum “Repräsentanten” ernannt worden und vertritt die “Hausgemeinschaft” nach außen. Zum Frühstück gibt es deshalb nicht nur Andrews Frühstück, sondern für den fünfjährigen Jake Honey Pops, Tante Sam mag Kräutertee statt Kaffee und Seferis, der schweigsame Kämpfer, steht auf gesalzene Radieschen.
Durch diese Regelung funktioniert das Leben Andrews nach außen und innen ziemlich gut, auch dank seiner Psychologin Dr. Grey, die Andrews Vater gelehrt hat, die im Körper lebenden Seelen in einer großen Hausgemeinschaft unterzubringen.
Aufgerüttelt wird Andrews Leben, als die junge Penny Driver in sein Leben tritt, die unter ihrer multipler Persönlichkeitsstörung leidet, sich dessen aber nicht bewusst ist. Durch seine Versuche Penny zu helfen, gerät Andrews sorgfältig aufgebautes und recht fragiles Innenleben langsam immer mehr außer Kontrolle.
Matt Ruff wirft mit diesem Roman einen Blick in die Untiefen der menschlichen Seele und zeigt, wie zerbrechlich sie sein kann. Dabei beschreibt er nicht nur das Schreckliche dieser inneren Zerbrochenheit, sondern erleichtert einem das Lesen durch glückliche Aspekte und Momente. Und am Ende besteht die Chance, das doch noch alles gut wird. Vielleicht.
Mein Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Buch mit Anspruch und Spannung. 8 von 10 Punkten.
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16. Oktober 2008 um 23:45 Uhr
Die anderen Werke von Matt Ruff sind ebenfalls einen Test wert.
Besonders irrspritzig: G.A.S. – Die Trilogie der Stadtwerke. Gegen später (Ich und die anderen, Bad Monkeys) wurde er nachdenklicher aber gewiss nicht schlechter.
DrNI´s letzter blog post:Wie das halt bei manchem so läuft
16. Oktober 2008 um 23:52 Uhr
Da gebe ich dir recht. “Fool on the Hill” war genial zu seiner Zeit und ich liebe noch immer die Idee der Bohemians. G.A.S. hab ich angelesen, dann aber verliehen und nie zurück bekommen. Bad Monkeys kenne ich noch nicht, ich mag keine 19 Öre für nen Hardcover ausgeben.
Aber nach G.A.S. schau ich nochmal, die Story hört sich genial an.
17. Oktober 2008 um 02:08 Uhr
Hört sich spannend an. Hoffentlich habe ich demnächst mal wieder ein bisschen mehr Zeit um ein tolles Buch zu lesen
21. Oktober 2008 um 21:04 Uhr
Fool on the Hill und G.A.S. habe ich auch gelesen – und geliebt. Als ich den Umschlag von “Ich und die anderen” las, dachte ich mir allerdings, dass das bestimmt recht schwere Kost sein könnte? Oder ist es lustig? Leicht?
Nils´s letzter blog post:Finde-Web mit Gnosis
22. Oktober 2008 um 23:45 Uhr
Irgendwie ist es alles.
Klar, dadurch das es um eine psychische Erkrankung geht, die meist durch Traumata in der Kindheit oder Jugend ausgelöst wird, gibt es schon Stellen, an denen man schlucken muss. Andererseits gibt es auch Momente, an denen der Roman nur so glänzt an witziger Detailverliebtheit.