Feb 17 2010

Der freundliche Helfer

Eigentlich ist ja so eine polizeiliche Personen- und Fahrzeugkontrolle eher etwas belangloses. Aber so einen schalen Beigeschmack hat es irgendwie doch, wenn man so plötzlich mit der “Gewalt” der Staatsmacht konfrontiert wird. Zumindest geht es mir immer so und heute am Nachmittag war es mal wieder soweit.

Ich war mit zwei Freunden auf dem Weg, um für unsere kleine, selbstbetriebene “Kneipe” einzukaufen. Den Kofferraum voller leerer Bierkisten und selbst auf der Rückbank standen noch welche. Die “Kneipe” ist eher ein angemieteter Raum, in dem ein paar Freunde für ihre Freunde eine kleine Theke gebastelt haben.
Jedenfalls fuhren wir die kleine Seitenstraße entlang, die uns mit dem restlichen Metzingen verbindet. Auf der rechten Seite neben der Zufahrt zur Hauptstraße konnten wir schon von weitem die Verkehrskontrolle sehen und beschlossen, aufgrund unserer Ladung einen kleinen Umweg zu machen und nach links abzubiegen. Man weiß ja nie, leere Bierkästen und äußerlich etwas ungewöhnliche jüngere Männer im Dreierpack, das könnte verdächtig wirken. Und hey, kontrolliert wird ja niemand gern.

Egal, ob wir uns gerade deshalb “verdächtig” gemacht haben, jedenfalls wartete 100 Meter weiter schon der nächste Streifenwagen, dessen Fahrer uns herausgewinkt hat. Kurze Zeit später kam auch der erste Streifenwagen an, dessen Besatzung uns kontrollierte. Die Kontrolle ergab natürlich nichts. Weder war das Fahrzeug gestohlen, noch war der Fahrer alkoholisiert oder der Verbandskasten nicht komplett.

Und trotzdem bleibt ein schaler Nachgeschmack der Kontrolle.

Da wird man quasi überrumpelt und alles was von dem Beamten kommt, ist ein “Guten Tag, Fahrzeug- und Personenkontrolle. Führerschein, Personalausweise und Fahrzeugpapiere.” Eine namentliche Vorstellung wäre da schon netter und so viel aufwändiger wäre sie ja auch nicht.
Und dann wartet man minutenlang im Fahrzeuginneren. Rauchen wäre gut, aber jetzt den Tabak auspacken und drehen? Das würde ja geradezu ein Drogenscreening provozieren, oder? Na gut, einer hatte ja Filterzigaretten dabei. Besser ist das, auch wenn keiner Drogen genommen hat, schließlich könnte es ja dadurch länger dauern.

Dann versucht man sich unaufgeregt und doch angespannt über die neuen Kennzeichen der Polizei zu unterhalten, die ja jetzt nicht mehr Kennzeichen des Regierungsbezirks wie z.B. “TÜ – 4554″ zeigen. Stattdessen steht da dann z.B. “BWL 4 – 0815″ . Das BW für Baden-Württemberg steht, ist uns klar. Aber der Rest? Unser tapferer Fahrer ruft den Beamten mit der Kelle heran und fragt ihn höflich “Sagen sie, wofür steht eigentlich das BWL im Kennzeichen ihrer Wagen?” Da antwortet der freundliche Helfer “Jetzt denken sie mal nach, in welchem Bundesland leben sie eigentlich?” Unser Fahrer: “In Baden-Württemberg, aber was…”

“Genau, in Baden – Württemberg.” Sagts und dreht sich um. Und genau diese Attitüde hinterlässt den größten Nachgeschmack dieser 15-minütigen Interaktion. Arroganz, Ignoranz und Machtgehabe statt Höflichkeit ist das Bild, das mir bleibt.


Feb 10 2010

I’m new here

“The revolution will not be televised” ist wohl das bekannteste Stück von Gil Scott-Heron. Allerdings ist sein aktuelles Album “I’m new here” wohl das ungewöhnlichste.

Gil Scott-Heron war für mich bisher nur Jazz und Soul. Interessant zwar, aber musikalisch nicht so interessant, dass ich Songs von ihm regelmässig gehört hätte. Mit “I’m new here” wurde das ein wenig anders. Spoken Word, zeitgemässe Beats und eine derbe, erfahrene Stimme, die einem nichts vormacht. Herrlich.

Wenn er jetzt noch ein Album mit Saul Williams zusammen veröffentlicht, bin ich glücklich.


Nov 28 2009

Samstag

ecki_frIch würde heute Abend am liebsten zu Hause bleiben. Ein paar Gläschen Wein trinken, das neue Album der Goldenen Zitronen durchhören und vielleicht noch ein bisschen lesen.

Oh man, das muss das Alter sein. Oder nervt einfach die allwöchentliche Routine? Das Spaß haben müssen? Eventuell sind es auch die paar nervigen Gäste, der geschmacklose Musikwunsch beim Thekendienst machen? Oder die Gewissheit, dass ich wieder nicht vor 4 Uhr früh nach Hause komme, dann noch eine Stunde brauche, um “bettreif” zu werden und dass damit der Sonntag wieder mal ein verschlafener, verschenkter Tag ist?

Ich weiß es nicht. Und spätestens in drei Stunden, wenn die Musik läuft und die ersten Gäste kommen, ist wieder alles in Ordnung.

Update: Es ist kurz nach 7 Uhr, ich bin vor etwa 10 Minuten nach Hause gekommen. Das Absacker-Bier, ein Pilsner Urquell, ist offen. Die Goldenen Zitronen hab ich auf dem 30-minütigen Nachhauseweg ein wenig angehört, iPod sein dank. Es war stressig, schön, lustig, laut und routiniert. Nächsten Samstag gibt es dann wieder den Wochenend-Blues. Und später das pochend fiese, leere Erwachen.


Nov 14 2009

Räuber & Gendarme 2009

Vorhin beim kurzen Spaziergang zum Metzger, es ist schon fast dunkel. Drei Stöpsel kommen mir entgegen, 8-10 Jahre, älter waren sie nicht. Der eine wirft sich vor mir und neben einem Stromverteilerkasten ins Herbstlaub, lehnt sich mit dem Rücken an den Kasten und kreuzt die Finger. Bis auf den Daumen und den Zeigefinger.

Leise ruft er nach seinen kleinen Kumpeln, die daraufhin in geduckter Haltung zu ihm eilen, um je eine Seite des Kastens mit pistolenhaften Kinderhänden zu decken. “Clear!”

Ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen und frage leise “Wo sind denn die Räuber?”

“Die Terrorischda sind dort drüba!” war ihre Antwort.

Irgendwie gruselig.


Nov 7 2009

“Ich bin schon hier!”

Das rief der Igel bzw. seine Frau, die am anderen Ende des Stoppelackers wartete, dem flinken Hasen beim Wettrennen zu. Und so glaubt der Hase das Rennen zwischen Hase und Igel verloren zu haben und gab sich geschlagen.

Dieses Jahr allerdings wollte der Hase auf Nummer sicher gehen. Den hinterhältigen Trick des Stachlers hatte er schon lange durchschaut. Und als das alte Schlitzohr, das er war, ersann er einen Plan. Keiner sollte ihm zuvorkommen und ihm den Platz als schnellstes Wesen des mitteleuropäischen Tierreichs streitig machen.

Der Igel hatte es vorgemacht: Tarnung ist alles!

X-Mas Häschen

X-Mas Häschen

Allerdings ist er mit seinem Vorhaben über das Ziel hinaus geschossen. Die Menschen durchschauten den Hasen als das, was er ist: Ein fieser Blender.

Meister Lampe zog resigniert sein Kostüm aus und lebte für einige Monate gar abgeschieden von der Welt. Als er sich besonnen hatte und wieder er selbst war, fand er er auch wieder Freunde, die ihm sein Missgeschick verziehen.

Hallo Riegelein! X-Mas Bunnys sind einfach nur lächerlich! Hört bitte damit auf.


Sep 1 2009

Nutella & Go – No go für mich

Ich mag ja  Nutella schon ganz gern. So ab und zu, wenn ich mal keine Lust auf Wurst, Käse oder Marmelade zum Frühstück habe. Und wenn ich überhaupt mal frühstücke. Und um ehrlich zu sein, kaufe ich mir meistens auch kein Nutella, sondern Samba Haselnuss-Schoko-Creme im Bioladen. Die ist zwar immens teuer, aber enthält dafür auch wirklich 45% Haselnüsse und nicht wie das original Nutella nur knapp über 10% Haselnüsse.
Aber auch Samba ist braun, süß und enorm lecker und für mich einfach das ideale Nutella, darum nenne ich es auch so. Das ist so eine Sache wie mit den Tempos, dem Uhu und “die gute Butter”.

Neulich, als ich im Supermarkt an der Kasse stand, ist mir etwas Neues ins Auge gefallen. Zuerst dachte ich, da steht eine geköpfte Schachtel Duplo im Regal, über die Wunder wer notdürftig etwas goldene Alufolie gepappt hat. Das geköpfte Duplo hat sich dann allerdings als “Nutella & GO!” entpuppt. Als gewiefter Einkäufer, der ich nun einmal bin, fiel mein Blick erst einmal auf das Preisschild: “Nutella & GO! – 52g – 0,99 €”

Hossa! Ist “& GO” ein neues Synonym für schwarzen Trüffel? Starbucks hat es ja mit seinem Coffee to go vorgemacht. Da will man nur nen Kaffee trinken und hey! 3 Öre oder mehr für nicht so tollen Kaffe, aber to go… in einem Pappbecher. Lecker.

Ein Blick auf die Rückseite der Verpackung lässt mich dann doch ernüchtern: Nutella 39g, Brot-Sticks (sic!) 13g. Ich soll also für 52 Gramm “Knusprige Brotsticks und Nuss Nugat Creme” 99 Cent bezahlen?
Nun, warum nicht. Es ist zwar schwachsinnig, völlig überteuert und die Brot-Sticks (sic!) sind wahrscheinlich auch nichts anderes als die Salzstengel, die ich sonst gelegentlich in meine Nugat-Creme dippe (nur ohne Salz und Lauge), aber ein Versuch, über den ich bloggen kann, ist das allemal wert.

Bevor ich jetzt aber die güldene, an einen Fussball-Meisterpokal erinnernde Schachtel einfach so öffne, lasse ich die Jungs von der Nationalmannschaft zu Wort kommen. Auf YouTube, also ganz modern.

Jetzt darf aber ich, oder?

Nach dem Öffnen strömt einem erst einmal der typische, schon leckere Nutella-Geruch entgegen. Der Inhalt ist aufgeteilt in eine fast die ganze Packungslänge ausfüllende Hälfte von “Brotsticks”, die andere Hälfte scheint voller Nutella zu sein, ist sie aber nicht. Der Nutellaspiegel reicht gerade mal bis zur Hälfte der völlig umweltfreundlichen Hartplastik-Verpackung.
In der Packung sind geschätzt 12-14 der sogenannte Brotsticks, etwa so lang wie ein halber Salzstengel und doppelt so dick.
Ohne Nutella schmeckt der “Brotstick” nach gar nichts, aber er bröselt. Mit Nutella schmeckt er nach Nutella. Beim Eintunken bricht er, obwohl nicht einmal kleinfingergroß, gerne ab. Wie schon erwähnt, er bröselt halt gerne. Man soll wohl langsam und vorsichtig essen, um mehr von diesem exclusiv-teuren Snack?! zu haben.
Die letzten Reste Nougatcreme lassen sich unmöglich mit den bröseligen und selbst für die geringe Tiefe untauglichen “Brot-Sticks” herausholen. Und selbst der Versuch mit dem engagierten Finger bleibt erfolglos, da die Ecken und Kanten einfach unerreichbar sind. Von den knappen 40g wandern also auch noch ein paar Gramm in die Tonne.

Mein vernichtendes Fazit: Ungesund und völlig überteuert! 99 Cent für 52g, gerundet sind das knapp 20€ für 1Kg Nutella & go.  Im gleichen Einkaufzentrum bekomme ich ein Familienglas Nutella mit 750g Inhalt für 3,29 Euro. Stengelchen ohne Geschmack gibt es zwar zum Glück so nicht zu kaufen, aber ein 1Kg Brot kostet mich je nach Sorte zwischen 3-4 €. Und wenn ich dippen will, kaufe ich mir Salzstängel für 40-100 Cent pro 250g Packung.

Ferrero, euer Nutella & Go ist ein klassischer #fail. Genauso typisch wie euer Überraschungsei oder eure pseudogesunden Kinder-Bueno/-Milchschnitten/-Schokoladen. Euer Marketing ist in den 80ern ins 11-Uhr-Loch gefallen und nie wieder heraus gekrochen. Ich denke, ihr könntet viel mehr von eurem süßen Zeug verkaufen, würdet ihr nicht zwanghaft behaupten, es wäre gut für uns. Süßes ist nie gut für mich und eigentlich nicht notwendig. Aber manchmal genieße ich gerne etwas Süßes. Dabei verarscht zu werden, schmälert allerdings den Genuß.