
Eigentlich sollte es jeder mitbekommen haben: Die Bundesregierung plant, das Internet in Deutschland zu filtern und damit zu zensieren. Vorgeschoben werden dabei missbrauchte Kinder, deren Leid nicht durch Veröffentlichung ihres Missbrauchs im Internet vergrößert werden soll. Es geht also um Kinderpornographie, die es zu verhindern, äh, zu bestrafen, uhm zu verstecken gilt. Ja genau. Verstecken, nicht löschen.
Ein riesiges rotes Stopp-Schild soll den Nutzer darauf aufmerksam machen, dass es hier nicht weitergeht, weil Kinderpornographie dahinter lauert. Das Stoppschild aufstellen soll das Bundeskriminalamt. Wo das Stoppschild stehen wird, sagt auch das Bundeskriminalamt. Und wer das Stopp-Schild sieht, kann Ärger mit dem Bundeskriminalamt bekommen. Dabei kontrolliert nur das Bundeskriminalamt, ob die gesetzten Stopp-Schilder überhaupt richtig stehen. Und wer jetzt nur noch Bundeskriminalamt versteht: Ja, das BKA ist damit Ankläger und Richter zugleich.
Einmal davon abgesehen, das Robert T. Normalsurfer dadurch Angst bekommen dürfte, auf ihm bisher unbekannte Links zu klicken (es könnte ja KiPo dahinter lauern), wird auch ein Instrumentarium der Zensur aufgebaut. Bereits jetzt steht die Unterhaltungsindustrie in den Startlöchern und betont, dass diese Sperren auch ihre Interessen schützen würden. Lotterie- und Glücksspielanbieter aus dem Ausland könnte man doch auch sperren. Und bombenbaulinksmuslimischrechtradikaleatheistische Seiten sowieso. Wenn man eh schon mal sperrt.
Aus diesem Grund habe ich die E-Petition Internet – Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten unterzeichnet. Der Wortlaut ist folgender:
Text der Petition
Wir fordern, daß der Deutsche Bundestag die Änderung des Telemediengesetzes nach dem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts vom 22.4.09 ablehnt. Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die “Sperrlisten” weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien Webseiten auf die Liste gesetzt werden. Wir sehen darin eine Gefährdung des Grundrechtes auf Informationsfreiheit.
Begründung
Das vornehmliche Ziel – Kinder zu schützen und sowohl ihren Mißbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse. Dass die im Vorhaben vorgesehenen Maßnahmen dafür denkbar ungeeignet sind, wurde an vielen Stellen offengelegt und von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen mehrfach bestätigt. Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen nachweisbaren Einfluß auf die körperliche und seelische Unversehrtheit mißbrauchter Kinder.
Bis jetzt haben etwa 39000 Petenten (Petitoren?) aus Deutschland unterzeichnet, und es werden täglich mehr. Unterzeichne auch Du! Der Server ist etwas langsam, aber die Freiheit des Internets sollte es dir wert sein.
Weitere Infos:
Bildquelle: flippy08 auf gulli.com