Archiv für die Kategorie 'Politik'

Marodierende Rentnerbanden!!!

In München hat am Montag ein 70-jähriger Mann ein 13-jähriges Mädchen gegen eine gerade einfahrende U-Bahn geschubst. Das Mädchen hatte Glück im Unglück und erlitt dabei und durch den Rückprall auf den Bahnsteig zum Glück nur einen Bluterguss an der Stirn sowie Schürfwunden an den Händen. Wäre das Mädchen zwischen einen der Waggons gefallen, hätte weitaus schlimmeres passieren können.

An sich eine Nachricht, die ich als nicht sonderlich spektakulär empfinde. Gewalt passiert jeden Tag, überall auf der Welt, kaltblütiger ausgeführt und mit weitaus schlimmeren Folgen für die Betroffenen. Was diese Nachricht dennoch wichtig für mich macht, ist der ausbleibende Aufschrei in den Medien und von Seiten der Politik, der vor Betroffenheit nur so trieft.

Bei ähnlichen Zwischenfällen in der letzten Zeit wurde von den Massenmedien gleich nach “Höchststrafe!” “Ausweisen!” oder Schlimmeren gerufen. Auch die Politik sprang dankbar auf diese Masche an und schlachtete sie wahlkampftauglich aus. Allerdings war der Täter in diesen Fällen ja zumeist auch ein junger Mann mit Migrationshintergrund, kein Münchner Rentner.

Eigentlich müssten Bild, Spiegel Online und Konsorten jetzt heißer Dinge wie “Ab in die Gerontopsychiatrie!” fordern, während die ganze Riege berufsbetroffener Politiker wie Roland Koch oder Wolfgang Schäuble von Talkshow zu Talkshow tingeln um zu erörtern, das Multi-Kulti die Integration von alten Menschen in unsere Gesellschaft gescheitert ist und deshalb unbedingt mehr Kameras auf öffentlichen Plätzen installiert werden müssen.

Zum Glück scheint dieses Spektakel dieses Mal aus zubleiben. Ob man da Angst vor einer Abstrafung aus der eigenen Zielgruppe/Wählerschaft hat? Ich glaube es fast.

Nulltoleranz und Sauberkeitwahn

Die zweiwöchentlich erscheinende Zeitschrift “Der Schweizerische Beobachter” hat in ihrer aktuellen Ausgabe ein interessantes Interview mit dem Ethnologen und Psychoanalytiker Mario Erdheim. In diesem Interview erläutert Erdheim, dass der um sich greifende Sauberkeitswahn, ähnlich dem abstrusen Sicherheitswahn seit dem 11. September 2001, eine Art Problemverschiebung sei.

Der Sauberkeitswahn lenkt die Aufmerksamkeit auf etwas Machbares. Das beruhigt und gibt einem die Sicherheit zurück. Saubere Strassen, saubere Städte - das ist machbar für uns. Hingegen gerechtere und sicherere Verhältnisse schaffen - das ist sehr viel schwieriger.

In Zeiten, in denen der einzelne Bürger mehr und mehr vom Abbau des sozialen Sicherungssystems bedroht ist und alles anscheinend den Gesetzen des Marktes gehorchen muss, sei es zum Ablenken von den realen Problemen nötig und leichter, einen letzten gemeinsam Nenner für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu suchen. Da man gegen die Eliten bzw. die eigentlichen Probleme unserer Zeit nicht ankommt, trifft diese Verschiebung eben Grafitti-Sprayer, Kippenwegschnipser oder ähnliche, zumeist jugendliche Gesellschaftsgruppen.

Heute heißt Sicherheit: Nulltoleranz, mehr Polizei. Sicherheit könnte aber auch bedeuten, Verhältnisse zu schaffen, in denen die Leute gar nicht auf die Idee kommen, jemanden zu überfallen.

Zwar ist dieses Interview in gewisser Weise etwas spezifisch schweizerisches, man kann die inhaltlichen Aussagen aber auch sehr gut auf deutsche Verhältnisse übertragen. Unbedingt lesen.

Pinkelverbote, Wegweisungen (Platzverweise, Anm. d. Vf.), Alkoholverbote. Das kann doch nicht Sinn und Aufgabe eines Staates in unserer Zeit sein.

Zum Interview “Toleranz wird zum Schimpfwort”

I Terror

Meine Güte. Ich sympathisiere ja mit Menschen, die unsere Welt frei von gentechnisch manipulierten Pflanzen, Tieren und Menschen halten wollen. Ich beführworte sogenannte “Feldbefreiungen” und würde vielleicht sogar selbst daran teilnehmen, wenn sie in meiner Umgebung notwendig wären.

Wow, damit bin ich ein Terrorist oder zumindest ein Terror-Syphatisant! Europol, here we go.

Wo in Europa wird wohl das europäische Guantanamo sein? Französisch-Guayana böte sich an, von dort aus sind auch früher kaum Häftlinge zurückgekehrt. Und “Die Legion” ist als Grenztruppe bereits im Einsatz.

Schiefe Töne

Heute um 0 Uhr fand in Tübingen das jährliche “Mai-Einsingen” der Studentenverbindungen und Burschenschaften der Uni Tübingen statt. Wie jedes Jahr gab es natürlich auch eine Gegendemonstration von anderen Studenten sowie Tübinger Bürgern, denen der an die NS-Zeit erinnernde Fackelzug gar nicht gefällt. Es waren (laut RTF1) ca. 200 Burschenschaftler, 500 Polizisten sowie ca. 2000 Gegendemonstranten vor Ort, zu Zwischenfällen kam es scheinbar nicht. Dank der 10-fachen Überzahl war von dem wahrscheinlich bierschwangerem Gesang der Fackelträger glücklicherweise auch nichts zu hören.

Da sich meine Fotoausrüstung im Gegenzug zu der der Polizei auf eine schlichte Digitalkamera begrenzte, sind nicht all zu viele Bilder etwas geworden, aber diese verschaffen einen guten Überblick der Situation vor Ort. Hier geht es zum Bilderstream auf flickr.

Unsubscribe me

Meine Sicherheit ist es nicht wert, solche Methoden anzuwenden. Da mag ich nicht dahinter stehen.

Mehr Infos zum Thema Folter und Verletzung der Menschenrechte gibt es bei Amnesty International. Ich persönlich empfehle außerdem das Buch “Interview mit Guantanamo” von Roger Willemson.

Free Tibet 2008

Irgendwie ist Tibet unser neuer Knut: Friedfertig, knuddelig, exotisch und wie gemacht, unsere Herzen zu erobern. Tibet ist gut, Tibet ist Knut, wir kümmern uns um dieses schutzbedürftige Bärenbaby / pittoreske Land mit Fähnchen.

Seit wann ist Tibet nun chinesisch besetzt? Ich muss kurz nachschauen… seit 1720.

Seit wann interessiert mich das, ganz ehrlich? Seit ca 3 Wochen.

Der Dalai Lama? Ja, der hat den Friedensnobelpreis. Legitimiert das einen religiösen Führer wirklich dazu, als Staatsoberhaupt zu fungieren? Will ich deshalb Mutter Theresa als Gottkönigin von Deutschland?

Irgendwie sind die Kriterien, nach denen in diesem Konflikt geurteilt wird, ziemlich verschoben und mir als atheistischem und rational denkendem Menschen auch völlig unverständlich.

Ich muss es auch nicht verstehen, schließlich mag ich keine religiösen Führer. Aber ich mag Knut. Gerade weil er nicht mehr knuddelig ist, sondern Zähne zeigt.

Ich wünsche mir, dass die Bewohner Tibets in naher Zukunft eine echte Wahl haben werden. Eine Wahl, die sich nicht zwischen Coca Lama oder Turbochinakapitalismus abspielt, sondern eine echte Alternative darstellt. Auf das es nicht bei Free Tibet 2008 bleibt.

Feind liest mit?

Die U.S. Air Force scheint laut wired.com sämtliche URLs für ihre Angehörigen zu blocken, die das Wort “blog” innehaben.

The idea isn’t to keep airmen in the dark — they can still access news sources that are “primary, official-use sources,” said Maj. Henry Schott, A5 for Air Force Network Operations. “Basically … if it’s a place like The New York Times, an established, reputable media outlet, then it’s fairly cut and dry that that’s a good source, an authorized source,” he said …

AFNOC blocks sites by using Blue Coat software, which categorizes sites based on their content and allows users to block sub-categories as they choose.

“Often, we block first and then review exceptions,” said Tech. Sgt. Christopher DeWitt, a Cyber Command spokesman.

Seltsamerweise scheint die Air Force wirklich Angst zu haben, ihre Truppen könnten nicht so “saubere” News zu lesen bekommen und blockt vorsichtshalber gleich mal Blogspot.com und jede Menge anderer Bloganbieter.

Wie ist das eigentlich mit unseren Soldaten in Afghanistan und am Kap Horn?

Das Kosovo und die “Indianer”

sitting_bull_cut.jpgWährend die Unabhängigkeit des Kosovos weltweites Aufsehen der Presse auf sich zieht, erklärt sich nahezu unbemerkt von der Weltöffentlichkeit ein Volk aus den USA für unabhängig. Die Lakota, das Volk des Häuptlings Sitting Bull, hat seine Unabhängigkeit von den USA erklärt, da die Verträge, die vor 150 Jahren geschlossen wurden, bisher nur einseitig erfüllt wurden.

Wenn man sich näher mit den Lakota beschäftigt, ist das erschreckend. Deren Reservate liegen mitten in den Vereinigten Staaten von Amerika und trotzdem liegt zum Beispiel im Pineridge-Reservat die Arbeitslosenquote bei 87%. 97% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Yeah, the land of the free!

Hoffentlich gibt es einige Staaten, die Lakota schnell anerkennen. Die EU und die USA werden bestimmt nicht dazu gehören, aber vielleicht Venezuela, Cuba oder Brasilien. Zu deren Botschaften haben die Lakota bereits Kontakt aufgenommen.

Geschrei

Und zwar in unerhörlicher Lautstärke gibt es gerade von der CDU/CSU und der unternehmerfreundlichen Partei FDP. Frau Wegner hat also die Stasi zurück gefordert. Wirklich?

Na und? Ob mich jetzt die scheiß Stasi überwacht (unwahrscheinlich) oder sämtliche bundesdeutsche Behörden, die dank SPD/CDU die Befugnis dazu bekommen haben (wahrscheinlich), ist mir doch wurst. Wehren werde ich mich ganz bestimmt dagegen.

Aber wenn es an die eigenen Reihen geht, lässt man ja eh milde walten. So wirklich schlimm war Armausstrecker Martin Hohman ja nicht. Bei dem hat es eher lange gedauert, bis er endlich entadenauerfiziert entnazifiziert als Rechter identifiziert und aus der Partei ausgeschlossen wurde. Und es wurde sich mit seinen Aussagen beschäftigt und sich damit auseinandergesetzt, zumindest wenn ich heute Blogs wie CDU-Politik lese. Wow, rechts!
Andere rechte Fanatiker sitzen ja noch immer in der Bundes- und Landespolitik. Roland Koch hetzt gegen Ausländer, Günther Oettinger wünscht sich gern mal einen Weltkrieg her und der Rest der Bande ist nur dadurch besser, als das sie sich nicht öffentlich outen.

Das stört die Bundeskanzlerin nicht. Gibt es überhaupt etwas, dass seit 2005 richtig verändert wurde, außer der Mehrwertsteuer-Erhöhung? Da regiert jemand echt ganz profillos und unbemerkelt.

Ich bin für mehr, lauteres, öffentlicheres Geschrei!

Terror-Pop

Der baden-württembergische Verfassungsschutz warnt laut SWR vor islamischer Popmusik. Denn die soll manchmal auch islamistisch sein und (ganz schlimm!) zur “Rückkehr zu muslimischen Wurzeln und Werten” auffordern. Ok, dass in manchen Liedern auch zu Kampf und heilligem Krieg aufgerufen wird, ist wirklich kacke. Deshalb einfach mal vor “islamischer Popmusik” ganz allgemein zu warnen, ist schlicht über das Ziel heraus geschossen und völlig unverhältnismäßig.

Schließlich gibt es auch etliche christliche Sekten, die zu neuen Kreuzfahrten aufrufen und von heiligen Kriegen sprechen.  Und gerade in solchen extrem christlichen Gruppen wird seit einigen Jahren vermehrt darauf geachtet, die Kids dort abzuholen, wo sie stehen. Das geschieht mit Popmusik, Jugendbüchern und riesigen Aktionstagen. Bestes Beispiel ist die Gemeinschaft “The Call” (der Film unten in den Links ist empfehlenswert und auch online zu sehen), aber auch viele andere vor allem evangelikale oder pfingstlerische Gruppen nutzen diese Methoden, um ihre Gefolgschaft zu vergrößern.

Wird deshalb vor “christlicher Popmusik” gewarnt? Nee, viele unserer Kids singen sie jeden Sonntag in der Sonntagsschule und viele zusätzlich auch noch in der normalen Schule. Bigott wie immer, unsere Herren und Damen aus Politik und Beamtentum.