Posts Tagged ‘Metzingen’

Licht und Schatten


2010
05.12

Und schmutzige Scheiben. Die “Fensterscheiben”, die sauber zu sein scheinen, sind keine. Da hat jemand sauber, aber nicht sonderlich legal, entglast.

Licht und Schatten, altes Umspannwerk in Metzingen

Aufgenommen im alten Umspannwerk in Metzingen.

Weckle


2010
04.30

Weckle nennt man im Schwäbischen das, was im Hochdeutschen als  Brötchen bekannt ist. Ein Laugenweckle ist für mich, mit Nuss-Nougat-Creme bestrichen, ein leckeres Frühstück. Zum Vesper (Abendbrot) esse ich allerdings auch ganz gern mal zwei Weckle. Nur wenn ich das Weckle per Auftrich oder Auflage definiere, wird es zum Wecka. “Zwoi Leberkäs-Wecka, bitte.” würde ich zu meinem Metzger hier in Metzingen sagen. Ich habe keine Ahnung, ob das schwäbisch, grammatikalisch oder sonst wie richtig ist, aber so schwätz I halt.

Jetzt wurde einem aus Kamerun stammenden Arbeiter gekündigt, weil er anscheinend zwei Weckle aus der Kantine bei der Metzinger Firma Hugo Boss gestohlen haben soll. Dort war er als Spülkraft tätig, vermittelt durch die Stuttgarter Firma Wisag Gebäudereinigung Baden-Württemberg GmbH. Er selbst sagte laut “Schwäbisches Tagblatt” vor Gericht aus, dass es sich nicht um Brötchen gehandelt habe, die er während der Arbeit verzehrt habe, sondern um selbst mitgebrachte Muffins.

Und wieder einmal stellt sich mir die Frage der Verhältnismässigkeit. Selbst wenn er die zwei Brötchen unerlaubt gegessen hätte, ist das wirklich ein Kündigungsgrund? Wäre ich der Kantinenchef, würde ich mich fragen, ob der Angeschuldigte eventuell zu wenig verdient, um sich ein Vesper zu kaufen.

Jetzt droht dem Arbeiter nämlich die Abschiebung, da eine Duldung nur durch ein Beschäftigungsverhältnis gewährleistet ist.

Auch interessant: Katharina Mayers Kommentar beim Tagblatt

Der freundliche Helfer


2010
02.17

Eigentlich ist ja so eine polizeiliche Personen- und Fahrzeugkontrolle eher etwas belangloses. Aber so einen schalen Beigeschmack hat es irgendwie doch, wenn man so plötzlich mit der “Gewalt” der Staatsmacht konfrontiert wird. Zumindest geht es mir immer so und heute am Nachmittag war es mal wieder soweit.

Ich war mit zwei Freunden auf dem Weg, um für unsere kleine, selbstbetriebene “Kneipe” einzukaufen. Den Kofferraum voller leerer Bierkisten und selbst auf der Rückbank standen noch welche. Die “Kneipe” ist eher ein angemieteter Raum, in dem ein paar Freunde für ihre Freunde eine kleine Theke gebastelt haben.
Jedenfalls fuhren wir die kleine Seitenstraße entlang, die uns mit dem restlichen Metzingen verbindet. Auf der rechten Seite neben der Zufahrt zur Hauptstraße konnten wir schon von weitem die Verkehrskontrolle sehen und beschlossen, aufgrund unserer Ladung einen kleinen Umweg zu machen und nach links abzubiegen. Man weiß ja nie, leere Bierkästen und äußerlich etwas ungewöhnliche jüngere Männer im Dreierpack, das könnte verdächtig wirken. Und hey, kontrolliert wird ja niemand gern.

Egal, ob wir uns gerade deshalb “verdächtig” gemacht haben, jedenfalls wartete 100 Meter weiter schon der nächste Streifenwagen, dessen Fahrer uns herausgewinkt hat. Kurze Zeit später kam auch der erste Streifenwagen an, dessen Besatzung uns kontrollierte. Die Kontrolle ergab natürlich nichts. Weder war das Fahrzeug gestohlen, noch war der Fahrer alkoholisiert oder der Verbandskasten nicht komplett.

Und trotzdem bleibt ein schaler Nachgeschmack der Kontrolle.

Da wird man quasi überrumpelt und alles was von dem Beamten kommt, ist ein “Guten Tag, Fahrzeug- und Personenkontrolle. Führerschein, Personalausweise und Fahrzeugpapiere.” Eine namentliche Vorstellung wäre da schon netter und so viel aufwändiger wäre sie ja auch nicht.
Und dann wartet man minutenlang im Fahrzeuginneren. Rauchen wäre gut, aber jetzt den Tabak auspacken und drehen? Das würde ja geradezu ein Drogenscreening provozieren, oder? Na gut, einer hatte ja Filterzigaretten dabei. Besser ist das, auch wenn keiner Drogen genommen hat, schließlich könnte es ja dadurch länger dauern.

Dann versucht man sich unaufgeregt und doch angespannt über die neuen Kennzeichen der Polizei zu unterhalten, die ja jetzt nicht mehr Kennzeichen des Regierungsbezirks wie z.B. “TÜ – 4554″ zeigen. Stattdessen steht da dann z.B. “BWL 4 – 0815″ . Das BW für Baden-Württemberg steht, ist uns klar. Aber der Rest? Unser tapferer Fahrer ruft den Beamten mit der Kelle heran und fragt ihn höflich “Sagen sie, wofür steht eigentlich das BWL im Kennzeichen ihrer Wagen?” Da antwortet der freundliche Helfer “Jetzt denken sie mal nach, in welchem Bundesland leben sie eigentlich?” Unser Fahrer: “In Baden-Württemberg, aber was…”

“Genau, in Baden – Württemberg.” Sagts und dreht sich um. Und genau diese Attitüde hinterlässt den größten Nachgeschmack dieser 15-minütigen Interaktion. Arroganz, Ignoranz und Machtgehabe statt Höflichkeit ist das Bild, das mir bleibt.

Soli-Party “Jeder Gast hilft – innocent victims against music industry”


2009
08.04

Nächsten Samstag, den 8. August, gibt es im Club Thing Metzingen ab 20 Uhr eine Soliparty für Stevie, der unschuldig in die Fänge der Musikindustrie geraten ist. Über den Internet-Anschluss seiner ehemaligen WG, der auf seinen Namen lief, wurden von einem Mitbewohner scheinbar unbewusst “große Mengen an Musik zum Tausch angeboten”.

Nachdem erbrachten Beweis, dass die Musik nicht von meinem Rechner angeboten wurde, sind alle strafrechtlichen Ermittlungen umgehend eingestellt worden. Leider interessiert sich die Musikindustrie wenig dafür einen wirklich schuldigen zu belangen, sondern nutzt ihre zivilrechtlichen Mittel um gegen mich als damaligen Anschlussinhaber extreme Forderungen zu stellen.

Diese belaufen sich nach Berücksichtigung der Tatsache, dass ich offensichtlich nicht der Verbrecher bin den sie in mir gerne sehen würden und meiner Situation als Student, nach einer freundlichen Reduzierung von 10.000 € “nur” noch auf 3.500 €. Hinzu kommen bereits jetzt Anwaltskosten von mehreren hundert Euro und unzählige Stunden Grübelei über die Frage warum ich soviel Geld für etwas zahlen muss, das ich nicht begangen habe.

Den Wahrheitsgehalt der Aussage „bei Geld hört die Freundschaft auf“ muss ich zudem leider als sehr hoch einstufen, da der wirkliche „Übeltäter“ nicht dazu bereit ist, bzw. ebenso wenig die Mittel dazu hat für den von ihm verursachten Schaden komplett einzustehen. Wie ich das Blatt drehe und wende, werde ich aus der Sache leider nur mit großen Kosten gehen.

Stevie lädt nun also zur Soli-Party im Club Thing ein. Die 5€ Eintritt gehen direkt an ihn, damit er die entstandenen Anwaltskosten sowie die Forderungen der Kulturmafia begleichen kann.

Kommt zahlreich! Spendet reichlich! Auch Piraten sind gerne gesehen! ;)

35 Jahre Club Thing Metzingen


2009
07.22

Dieses Wochenende feiert der Club Thing in Metzingen sein 35-jähriges Jubiläum. Der Club Thing ist ein selbstverwalteter Jugendclub in Metzingen, einer Stadt, die sonst eher als “Mekka des Fabrikverkaufs” bekannt ist.

Vor etlichen Jahren und vor einige Umzüge der Location war der Club Thing bis nach Stuttgart bekannt für seine Konzerte und sein Ambiente. Als Kind bin ich oft abends mit meinen Eltern an Wochenenden am Club Thing in der Reutlinger Straße kurz vor dem Lindenplatz vorbei gefahren und war neugierig interessiert über das, was ich sah. Junge Menschen, die kurzerhand den doch sehr engen Bürgersteig in Beschlag nahmen, um dort ihr Bier zu trinken. Ein gemalter Snoopy mit Schlafmütze und Kerzenhalter in der Hand auf der geschlossenen Tür, wenn der Club mal zu hatte.

Ein paar Jahre später war ich selbst einer derjenigen, die draußen ihr Bier, Cola oder gar Korea (blöder Name für Wein mit Cola) tranken. Ich lernte die Dead Kennedys (danke, Bernd!) und gelebte Basisdemokratie kennen, aber auch Respekt vor den Älteren, die einfach mehr wussten als ich. Ich wuchs langsam hinein und durfte nach dem Umzug in die Eisenbahnstraße zum ersten mal selbst Vorstandsbeisitzer sein. Lange Jahre war mir der Club Thing eine Zuflucht vor dem grauen Alltag. Gute, sehr gute Musik, nette Leute und auch gute Freundschaften habe ich im Club Thing erlebt.

Dieses Wochenende wird im Club Thing gefeiert. Und auch wenn ich mittlerweile nicht mehr ganz konform mit dem aktuellen Club Thing bin, werde ich trotzdem da sein. Und hier dafür Werbung machen.

Freitag ab 20 Uhr:

Und Samstag spielen die genialen Ernest & the Hemingways Bluesrock vom Feinsten:

New Model Army – Purity


2009
05.19

Gestern sah ich die ersten Plakate – New Model Army spielen in der Nähe! Erst konnte ich nicht glauben, dass sie im doch eher kleinen Sudhaus in Tübingen spielen, schließlich habe ich sie die letzten Male immer in größeren Hallen in Stuttgart live gesehen. Doch dann habe ich mich daran erinnert, dass sie irgendwann in den 80ern sogar im Club Thing gespielt haben, der damals in der Metzinger Steffansmühle zuhause war. Heute stehen in der Gegend nur noch Glaspaläste, die Nike, Boss oder andere “Outlets” beherbergen. Aus dem Eigenbedarf der Schreinerei in der Steffansmühle wurde damals in kürzester Zeit ein Laden für Herrenausstattung, aus Subkultur schnelllebige Konsumkultur.

Viele Metzinger begrüßen dieses neue Metzingen, ich finde es langweilig, billig und oberflächlich. Stichwort Gentrification, die “Schwaben” eben. Wenn in ein paar Jahren die Outlet-City ihren Reiz verloren hat, ist die Innenstadt verschandelt und die nicht mehr instand gehaltenen Bauten mit ihren riesigen Glasfassaden werden trauriger wirken als jedes alte, nicht renovierte Stadthaus das zuvor an dieser Stelle stand. Die verstaubten und leeren Fenster der Gebäude werden gespenstischer wirken als jede Ghost Town in den Great Plains, denn in denen hat wenigstens irgendwann jemand gelebt.

Ich werde mich dann noch immer an die tollen Stunden damals im Club Thing in der Reutlinger Straße erinnern. Und dann werde ich mich in den Club Thing setzen, der mittlerweile am Stadtrand zuhause ist, ein Bier trinken und New Model Army hören.

New Model Army – Purity

Aber jetzt spielen sie erst mal in der Nähe, nämlich am 12.06. im Sudhaus in Tübingen.