In dieser Serie möchte ich euch nach und nach meine Lieblingsplätze vorstellen. Den Anfang macht das kleine Wengerterhäuschen auf dem Metzinger Weinberg.
Auf dem Metzinger Weinberg steht eine alte, zweistöckige Hütte, deren Zweck ursprünglich wahrscheinlich einmal darin bestand, Weingärtnern Schutz zu bieten. Da außen herum ein hölzerner Balkon führt, von dem aus man eine schöne Aussicht hat und zudem noch ein gemütliches Holzbänkchen darauf steht, ist dieser Platz ein beliebter Treffpunkt für junge Verliebte. Aber auch Wanderer machen dort gerne Pause und auch ich sitze dort ganz gerne mal im Sommer bei ein paar Bier und einem guten Gespräch unter Freunden. Früher war die Hütte noch geöffnet, da dort aber vor einigen Jahren irgendwelche Schwachköpfe ständig ihren Müll hinein geworfen haben, sind nun Fenster und Türen vergittert. Das Frontfenster, das sich direkt über dem Bänkchen befindet, ist ganz passend verziert, wie man links sehen kann.
Das wirklich besondere an diesem Platz sind für mich allerdings die Scratchings, die sich im Laufe der Zeit dort angesammelt haben. Als ich vor etlichen Jahren zum ersten mal dort oben war, konnte man noch recht deutlich viele der ältesten Ritzereien Scratchings (Ritzereien hört sich so nach Emo an) lesen. Da hatte sich dann der Jakob Kächele im Jahre 1904 verewigt und gleich daneben standen Luise & Wilhelm aus dem Jahr 1913. In den Kriegsjahren wurde weniger gescrached, aber zwischen und nach den beiden Weltkriegen ging es wieder weiter. Ab den 1970er Jahren sind dann auch die ersten fremder klingenden Namen wie Mario oder Bata zu lesen und Anfang der 1990er Jahre liest man auch die ersten östlicheren Namen. Die neueste Entwicklung ist etwas traurig, denn die Jungen von heute überschreiben heute viele der alten Scratchings und das auch noch in riesiger (groß, nicht schön) Schrift. Die alte, verschnörkelte Sütterlinschrift aus den Anfangszeiten dieses Platzes wird von den riesigen Lettern eines Kevin, Achmed oder einer Jaqueline in den Hintergrund gedrängt.
Das ist zwar etwas Schade, aber irgendwie auch interessant. Dieses Häuschen mit seinen Inschriften ist für mich wie ein Spiegel der Zeiten, die es erlebt hat und gerade erlebet. Heute denken eben viele Menschen von sich als die größten und wichtigsten aller Zeiten. Die Vergangenheit und die Zukunft gerät bei dieser Art zu Leben in den Hintergrund und wird unwichtig.










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